Ein blauer Trenchcoat

Draußen tobt ein Sturm. Vom Wind und vom Lärm wacht er auf. Der Wind peitscht um das dreistöckige kleine Hotel Piccolo, das nur wenige Meter vom Meer entfernt liegt.

In der Nacht hat es begonnen zu regnen. Der Regen klatscht auf den unteren Teil der Balkontür. Der obere Teil ist vom Rollo verdeckt. Das Zimmer geht zum Innenhof raus, unten stehen eine Reihe von Mülltonnen. 

So schläft er oft, ein kleiner Teil des Fensters oder der Tür muss „offen“ sein. Er bekommt regelmäßig Angst, wenn er in einem Raum übernachten muss, der komplett verschlossen ist.

Dann muss das Licht angeschaltet bleiben oder der Rollo ein Stück hochgezogen sein. Er braucht Licht.

Draußen ist es sehr ungemütlich, nass und kalt.

Die Klimaanlage hat er vor dem Frühstück auf 24 Grad hochgefahren. Jetzt ist es, nachdem er vom Frühstück zurück kommt, gemütlich warm.

Vermutlich wird er den Tag in diesem Zimmer verbringen. Der Wetterdienst meldet nichts anderes als Regen und Sturm.

Gestern hatte er noch überlegt nach Florenz mit dem Zug zu fahren, allerdings ist da heute auch den ganzen Tag Regen gemeldet.

Und dann ging ihm noch durch den Kopf, dass er die Stadt doch mit ihr gemeinsam entdecken wollte. Er stellt es sich für einen Moment vor, wie damals in Luca.

Traumhafte Momente in der kleinen Bar, auf einen Kaffee am Tresen. Als sie sich spontan in die Arme nahmen und begannen zu tanzen.

Für einen Moment stand die Zeit still und alle schauten auf sie beide und die Zuschauer waren berührt von der sichtbaren Zuneigung die beide füreinander empfanden.

Damals in Luca entdeckte er den dunkelblauen Mantel für sie. Sie trägt ihn zehn Jahre später bei vielen Gelegenheiten immer noch. Sie sieht betörend und anmutig in ihm aus.

Sie trägt ihn mit Stolz, so als ob sie leibhaftig eine waschechte Italienerin wäre.

Diese Momente, wenn Sie aus einer Umkleidekabine kam oder etwas neues anprobiert hatte und er sie begeistert, mit weit offenen Augen anlächelte und sie gleichzeitig, etwas beschämt und fragend, glücklich zurück schaute. Unbezahlbar, solche Augenblicke.

Es sind die vielen kleinen, unscheinbaren Blicke und Begegnungen sein Leben mit ihr reich machten.

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