Meer

Er ist noch mal runter zum Meer gelaufen. Gestern und vorgestern sind die Skyter dort gewesen. Heute ist das Meer schon am Morgen voller schwarzer Pinguine die surfen auf den Wellenkämmen.

Mit ihren Brettern streicheln sie die Wasseroberfläche als wäre es das leichteste von der Welt. Diese Leichtigkeit wünscht er beiden für die Zukunft. Gleiten durch die Wellenkämme des Lebens.

Ist sie weiter gegangen? Oder kommt sie noch auf einen melancholischen Augenblick bei ihm hier am Meer vorbei?

Schleicht sich von hinten an und legt ihre schlanken schönen Arme um seine Schulter. Drückt ihm zärtlich einen Kuss auf die Stirn.

Öfter sind sie und er schon früh morgens an das Meer gefahren, über den Hügeln von Rosignano Marritimo hinab nach Solvay oder Vada.

Heute morgen ist er extrem emotional, will nicht weg von diesem Ort, will in der Erinnerung bleiben.

Einmal sind sie einen Tag früher angereist und hatten ein Zimmer direkt am Meer. Mit Pool und sogar einem Whirlpool. Dort haben sie sich Abends hineingesetzt.

Das Hotel hatte zu dieser Jahreszeit kaum Gäste und beide waren verspielt miteinander, als ob sie kleine Kinder wären.

Im Whirlpool hat sie angefangen mit ihren Füßen und später mit ihrer Hand seinen Schwanz zu massieren. Er ist recht schnell gekommen. Sie schauten sich dabei in die Augen.

Alles fiel von ihnen beiden ab, wenn sie und er an diesem Ort waren. 

Nein, er will nicht und er wird nicht diese Beziehung idealisieren. Dazu gab es zahlreiche hässliche Szenen über all die Jahre. Momente an denen sie sich an ihren Traumaoberflächen schmerzhaft berührten. In solchen Momenten waren sie beide außer sich.

Erst im Laufe der Jahre und mit Abstand konnte er die Beziehung differenzierter betrachten.

Damals ahnten sie und er noch wenig von Übertragungs/Gegenübertragungs – Phänomenen.

Davon, dass in Beziehungen ständig Re-Inszenierungen geschehen. Sich Beziehungsmuster wiederholen und sie ebenso wie er, Übertragungen aus Biografischen Erfahrungen neu bespielten.  

Solvay ist für ihn all die Jahre hässlich gewesen. Heute hat er ihre Schönheit entdeckt.

Anmutig, warm und zart liegt der Strand an diesem Morgen vor seinen Füßen. Nein, er hat seine Füße nicht ins Wasser gestreckt.

Sie hat ihm in Spanien gehen auf Sand gelehrt. 

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