{"id":51,"date":"2017-05-24T10:16:11","date_gmt":"2017-05-24T10:16:11","guid":{"rendered":"http:\/\/bremicke.cyon.link\/?p=51"},"modified":"2017-05-24T10:16:11","modified_gmt":"2017-05-24T10:16:11","slug":"facettenreicher-mensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.peterbremicker.com\/index.php\/2017\/05\/24\/facettenreicher-mensch\/","title":{"rendered":"Facettenreicher Mensch"},"content":{"rendered":"<p>Facettenreicher Mensch.\u00a0Acht Jahre hat ein Teil meiner Arbeiter, neben den ganz herk\u00f6mmlichen Beratungs- und Coachingprozessen f\u00fcr Mitarbeiter und F\u00fchrungskr\u00e4fte\/Kader darin bestanden, in der Schweiz Menschen in ihrer beruflichen Identit\u00e4t zu begleiten. Sechs bis achtmal im Jahr hatte ich Gruppen mit ca. 12-15 Teilnehmern f\u00fcr zehn Tage in einem Kurs, der dazu diente, dass die Teilnehmer ihren beruflichen Standort und ihre Arbeitsmarktf\u00e4higkeit reflektierten. Alle waren zum Kursstart Menschen die ihren Arbeitsplatz verloren oder selbst aus sehr unterschiedlichen Gr\u00fcnden gek\u00fcndigt hatten. Dutzende von Lebensl\u00e4ufen sind durch meine H\u00e4nde gelaufen. Oft konnte ich einen roten Faden entdecken und vielfach suchte ich vergeblich danach. Je nach Dauer der Arbeitslosigkeit gab es Menschen in den Kursen die voll motiviert und zuversichtlich vor mir sa\u00dfen und andere die v\u00f6llig desorientiert und hoffnungslos, schon lange aufgegeben hatten. Ich beobachtete in diesen Jahren in den Gespr\u00e4chen die Beweggr\u00fcnde des Einzelnen, fragte nach, h\u00f6rte zu, fragte erneut nach und erhielt spannende Informationen dar\u00fcber, was und wodurch die jeweiligen beruflichen Entscheidungen gepr\u00e4gt waren. Ich konnte Verbindungen herstellen zwischen biografischen Erfahrungen aus der Herkunftsfamilie und pr\u00e4genden Lebensherausforderungen in den ersten Jahren. Heute denke ich, dass die ersten Jahre mit entscheidend sind f\u00fcr die berufliche Entwicklung, f\u00fcr Abbr\u00fcche, respektive Stagnation der beruflichen Identit\u00e4t. Ein gro\u00dfer Spannungsbogen an ganz unterschiedlichen Gef\u00fchlen und Bed\u00fcrfnissen fand in diesen Begegnungen und Gespr\u00e4chen seinen Platz. Frustration, \u00c4rger, Entt\u00e4uschung, Wut, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Euphorie, Freude, Angst. Alle diese Emotionen machten diese Kurse bunt und vielf\u00e4ltig. So vielf\u00e4ltig wie diese Emotionen, so facettenreich waren die Charaktere und Pers\u00f6nlichkeiten dieser gestrandeten Menschen. Angesp\u00fclt vom Arbeitsmarkt um zeitnah und pragmatisch demselbigen Arbeitsmarkt wieder zugef\u00fchrt zu werden. In diesen Jahren habe ich viel gelernt \u00fcber menschliche Abgr\u00fcnde und Zw\u00e4nge, die ein System sich auferlegt und weitergibt. Den Facettenreichtum den die Gestrandeten mitbrachten konnte kaum Rechnung getragen werden. Entscheidender war, dass Ziele des Systems bedient und erreicht wurden. Aber dient das dem Menschen, der als Individuum gesehen und wahrgenommen werden will? Und wie viel ist die W\u00fcrde des Menschen wert, wenn er unter unw\u00fcrdigen Umst\u00e4nden seine Arbeit verrichten und sinnentleerten Zielen Rechnung tragen muss? Welche Rolle spielen perfekte Bewerbungsunterlagen, wenn einer Teilnehmerin des Kurses ein Tumor im Kopf w\u00e4chst und ihr Leben vielleicht in ein paar Monaten zu Ende ist. Um so wichtiger erscheint es mir, in einer Zeit in der viele mit gro\u00dfer Begeisterung die digitale Welt preisen und anbeten und ich selbst geh\u00f6re auch zu den Anwendern dieser neuen Welt, dass wir menschenw\u00fcrdige Rahmenbedingungen schaffen, die human und wertsch\u00e4tzend, wohlwollend und liebevoll dem einzelnen Menschen begegnen und seine Einzigartigkeit in den Fokus nehmen. Ich bin sehr dankbar f\u00fcr diese acht Jahre und die facettenreichen Begegnungen, Gespr\u00e4che, Fragen und Auseinandersetzungen. Sie haben meinen Blick noch einmal fokussiert und meinen Horizont, der Transaktionsanalytiker w\u00fcrde sagen, meinen Bezugsrahmen erweitert. Menschlichkeit und Solidarit\u00e4t wird in Zeiten wie diesen, zu einem \u00dcberlebensfaktor f\u00fcr unsere Gesellschaft. Zuk\u00fcnftig werde ich mich noch st\u00e4rker dem Einzelnen in der Beratung zuwenden. In Basel am Aescheplatz, Malzgasse 28, haben wir daf\u00fcr ein wundersch\u00f6nes B\u00fcro und einen Beratungsraum anmieten k\u00f6nnen, der dazu dienen wird, Menschen in ihren individuellen Entwicklungsprozessen zu f\u00f6rdern und zu begleiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Facettenreicher Mensch.\u00a0Acht Jahre hat ein Teil meiner Arbeiter, neben den ganz herk\u00f6mmlichen Beratungs- und Coachingprozessen f\u00fcr Mitarbeiter und F\u00fchrungskr\u00e4fte\/Kader darin bestanden, in der Schweiz Menschen in ihrer beruflichen Identit\u00e4t zu begleiten. 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