{"id":462,"date":"2020-04-13T13:43:01","date_gmt":"2020-04-13T13:43:01","guid":{"rendered":"https:\/\/peterblog.bastian-boehm.de\/?p=462"},"modified":"2020-04-13T13:43:01","modified_gmt":"2020-04-13T13:43:01","slug":"via-gramsci","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.peterbremicker.com\/index.php\/2020\/04\/13\/via-gramsci\/","title":{"rendered":"VIA GRAMSCI"},"content":{"rendered":"\n<p>Er ist aufgewacht. Die Luft ist ihm weggeblieben. Er atmet schwer und schnappt f\u00f6rmlich nach Luft. Im Traum ist ihm eine seiner T\u00f6chter begegnet. <\/p>\n\n\n\n<p>Oder ist er es selbst gewesen? Ein kleines Kind von anderen Kindern immer wieder angegriffen. <\/p>\n\n\n\n<p>Er sieht zu, will eingreifen, retten, helfen, verteidigen. Ist er es selbst, der sich da sieht, wie andere Kinder ihn oder seine Tochter qu\u00e4len? <\/p>\n\n\n\n<p>Er springt vom Bett auf, verl\u00e4sst den Traum, rei\u00dft das Fenster auf, er hat Angst zu ersticken. <\/p>\n\n\n\n<p>Er atmet immer noch schwer, sucht den Weg in der Dunkelheit zur T\u00fcr, durch den Flur in die K\u00fcche. Trinkt zwei gro\u00dfe Gl\u00e4ser Wasser aus dem Hahn.<\/p>\n\n\n\n<p>Er kann sich nicht halten, f\u00e4llt auf den K\u00fcchenboden und weint und wimmert. Er ruft nach ihr. F\u00e4ngt an zu schreien, sp\u00fcrt die Angst und Verzweifelung. Sie verschwindet nicht aus seinem Kopf. <\/p>\n\n\n\n<p>Er hasst sich, wenn er schwach und weich ist. Wenn seine Bed\u00fcrftigkeit so permanent und penetrant, ununterbrochen an ihm nagt. Ihn auffrisst. <\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben eine Abmachung. Er schafft es nicht. Da ist kein Du. Kein Gegenueber. Leere, ganz schreckliche Leere. <\/p>\n\n\n\n<p>Gestern, nach dem er Solvay verlassen hat, ist er doch noch hoch gefahren nach Marritimo. Hoch auf den Berg. Als erstes hat er in der Kirche ILARIO E GIOVANNI BATTISTA zwei Kerzen angez\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend ist er die VIA GRAMSCI hinunter an der Gelateria vorbei gelaufen, um die kleine Boutique zu suchen in der er ihr damals das Kleid gekauft hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Verk\u00e4uferinnen haben zu ihr gesagt BELLA BELLISSIMO \u2013 Sie sei so h\u00fcbsch. Doch er findet die Boutique nicht mehr. Es gibt sie nicht mehr. Das Gesch\u00e4ft scheint seit Jahren nicht mehr zu existieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Staub \u00fcberzieht das Schaufenster. Er geht zur\u00fcck zur DELLA VILLA und der PIAZTETA DELL ERBE, wo er damals f\u00fcr sie das H\u00f6schen erstanden hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier existiert der Laden nicht mehr. Ihm scheint eine Metzgerei gewichen zu sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Einmal geht er noch die Kirche herum. Der Blick auf das Meer, den sie jedes Mal gemeinsam mit einem Eis genossen haben. Der Blick ist geblieben. <\/p>\n\n\n\n<p>Ansonsten ist vieles nicht mehr, wie es einmal war. Ist das sinnbildlich f\u00fcr ihre Beziehung? <\/p>\n\n\n\n<p>Ist es falsch romantisch zur\u00fcckzublicken? Das diese Begegnung hier oben \u00fcber dem Meer so romantisch\/emotional f\u00fcr ihn werden w\u00fcrde, damit hat er nicht gerechnet. <\/p>\n\n\n\n<p>Tr\u00e4nen laufen \u00fcber sein Gesicht und versch\u00e4mt wischt er sie zur Seite als zwei \u00e4ltere Frauen ihm entgegenkommen. <\/p>\n\n\n\n<p>Bevor er Richtung Norden f\u00e4hrt, biegt er noch mal Richtung Seminarhaus ab. Er parkiert oberhalb und l\u00e4uft den steilen Weg hinunter zum Haus. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Haus und das Gel\u00e4nde sehen verlassen und unbewohnt aus. Ein G\u00e4rtner schneidet die Olivenb\u00e4ume. <\/p>\n\n\n\n<p>Er macht Fotos von den Zimmern in denen sie beide gemeinsam die N\u00e4chte verbracht haben.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist aufgewacht. Die Luft ist ihm weggeblieben. Er atmet schwer und schnappt f\u00f6rmlich nach Luft. Im Traum ist ihm eine seiner T\u00f6chter begegnet. Oder ist er es selbst gewesen? Ein kleines Kind von anderen Kindern immer wieder angegriffen. Er sieht zu, will eingreifen, retten, helfen, verteidigen. 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